Ein Gästezimmer funktioniert, wenn der Besuch auspacken, im Dunkeln schlafen, das Handy laden und ein Handtuch finden kann, ohne Sie nach irgendetwas zu fragen. Die meisten Gästezimmer scheitern an genau diesen Kleinigkeiten, nicht am Stil – weil die Person, die den Raum eingerichtet hat, nie darin geschlafen hat. Wer ein Gästezimmer einrichten will, beginnt deshalb mit einem Test: einer Nacht im eigenen Gästebett. Danach kommen Grundriss, Möbel, das Zimmer mit Doppelnutzung und das Budget.
Einmal selbst darin schlafen
Bevor irgendetwas gekauft wird, eine Nacht im Zimmer verbringen. In dieser Nacht merkt man alles, was ein Gast merkt: die Straßenlaterne, die um fünf durch den Vorhang scheint, die einzige Steckdose hinter dem Bett, die Matratze mit der Kuhle auf einer Seite, die Heizung, die sich nicht herunterdrehen lässt, den Schrank voller Wintermäntel. Diese Liste ist das Briefing – und meistens nützlicher als jedes Moodboard.
Das Bett bestimmt den Raum
Die beste Matratze kaufen, die in der möglichen Größe drin ist. Sie ist das Einzige, das jeder Gast beurteilt, und bei kleinem Budget der erste Posten.
- Unter 9 m²: 140 cm. Mindestens eine Seite behält 60 cm Durchgang; für gelegentlichen Besuch darf eine Bettseite an der Wand stehen.
- 9–12 m²: 160 cm mit Durchgang und Nachttisch auf beiden Seiten.
- Gemischter Besuch: zwei 90er-Betten auf Rollen mit Verbindungsset. Paare bekommen ein großes Bett, Freunde und Geschwister zwei getrennte – der Umbau dauert zwei Minuten.
Eine mittelfeste Matratze passt zu den meisten Schläfern. Bei einer älteren Matratze hilft ein 5–7 cm Topper (80–200 €), dazu ein Matratzenschoner, damit der Raum zwischen den Besuchen frisch bleibt. Zwei Kissentypen – ein festes, ein weiches – kosten wenig und retten erstaunlich viele Nächte.
Grundriss: Bett, Koffer und Durchgang
Das Kopfteil an die Wand gegenüber oder neben der Tür, möglichst nicht unter das Fenster und nicht in direkter Linie zur Tür, wenn es eine andere Anordnung gibt. Gäste fühlen sich sicherer, wenn sie die Tür vom Bett aus sehen, ohne frontal darauf zu blicken.
Dann das, was Gastgeber immer vergessen: den Koffer. Er braucht einen Platz von etwa 80 × 50 cm, an dem er tagelang offen liegen kann, ohne den Weg zu blockieren – eine Kofferablage (40–90 €), eine Bank am Fußende oder eine freigeräumte Ecke. Ohne diesen Platz liegt der Koffer offen im einzigen Laufweg.
Rund ums Bett und vor dem Schrank 60–75 cm frei lassen. In kleinen Räumen helfen die Tipps aus Schlafzimmer gestalten direkt: Wandleuchten, schmale Nachttische, ein Kopfteil mit Ablage.
Was auf den Nachttisch gehört
Jede Bettseite, auf der ein Gast schlafen könnte, braucht:
- eine Lampe, die sich ohne Aufstehen ausschalten lässt,
- eine Steckdose oder ein USB-Ladegerät in Kabelreichweite (eine Steckdosenleiste mit USB für 15 € löst das in den meisten Räumen),
- eine Fläche für Handy, Brille und ein Glas Wasser.
Dazu ein kleines Tablett mit einer Karte: WLAN-Name und Passwort, wann die Heizung anspringt, welche Handtücher im Bad für den Gast sind und wie die Haustür abgeschlossen wird. Das erspart die drei Fragen, die jeder Gast am ersten Abend stellt.
Licht, Dunkelheit und Ruhe
Gäste schlafen in einem fremden Raum, oft zu anderen Zeiten als Sie. Machen Sie es ihnen leicht.
- Verdunkelungsvorhang oder Verdunkelungsrollo. Gefütterte Vorhänge ab 60 € pro Fenster, ein Maßrollo 80–200 €. Das Upgrade, das Gäste am häufigsten erwähnen. Wer Außenrollläden hat, ist hier schon fertig.
- Licht in Schichten: Deckenleuchte, zwei Nachttischlampen und eine gedimmte Leuchte auf der anderen Seite, damit nachts niemand das Deckenlicht braucht.
- Ruhe: ein dicker Teppich auf hartem Boden, schwerere Vorhänge und eine Tür, die nicht knallt, nehmen einem lauten Haus die Spitzen. Ein kleiner Ventilator dient nebenbei als weißes Rauschen.
Stauraum, der wirklich leer ist
Ein Kleiderschrank voller Saisonkleidung ist kein Stauraum für Gäste. Ein Fach – schon 50 cm Stange und zwei Böden – komplett leer lassen, mit sechs bis acht gleichen Bügeln. Der Rest des Schranks darf belegt sein, solange der freie Teil eindeutig ist.
Ein, zwei Hakenleisten an der Türinnenseite nehmen Jacken, Taschen und feuchte Handtücher. Ein Ganzkörperspiegel (40–150 €) ist das andere Stück, das in den meisten Gästezimmern fehlt, und das Erste, was ein Gast beim Anziehen sucht.
Farbe und Stil: ruhig, nicht beliebig
Gästezimmer gehen meist in eine von zwei Richtungen: Resterampe mit zusammengewürfelten Möbeln oder beige Hotelbox ohne Persönlichkeit. Ziel ist die Mitte.
Sanfte, leicht warme Töne sind für einen Raum, in dem viele verschiedene Menschen schlafen, die sicherste Wahl: warmes Weiß, heller Lehm, gedämpftes Salbei, weiches Blaugrau. Welche davon unter einer warmen Nachttischlampe bestehen, erklären die Schlafzimmerfarben. Ein, zwei persönliche Dinge – ein gerahmter Druck, eine Pflanze, eine gute Decke – sorgen dafür, dass sich der Raum nach Ihrem Zuhause anfühlt und nicht nach Ferienwohnung.
Bettwäsche leistet hier mehr als Farbe. Weiße oder helle Bettwäsche aus Perkal oder Leinen wirkt sauber und hotelartig und lässt sich zwischen Besuchen leicht waschen. Einen zweiten Satz im Zimmer aufbewahren, damit man nicht im ganzen Haus suchen muss.
Wenn unklar ist, welche Richtung der Raum nehmen soll: vor dem Streichen ein Foto machen und in Homie mit dem Raum-Redesign zwei, drei Stile ausprobieren. Das Gästezimmer ist ein Ort mit wenig Risiko, um etwas mutiger zu werden als im eigenen Schlafzimmer.
Gästezimmer mit Doppelnutzung
Kaum jemand kann einen Raum für die 20 Nächte im Jahr, in denen Besuch da ist, leer stehen lassen. Meist ist er auch Arbeitszimmer, Hobbyraum oder Abstellkammer. Beide Nutzungen von Anfang an planen.
Arbeits- und Gästezimmer: Schlafsofa oder Schrankbett halten den Boden den Rest des Jahres frei. Ein ordentliches Schlafsofa mit echter Federkern- oder Schaummatratze kostet 600–1.500 €; die billigeren sind der Grund, warum Gäste Schlafsofas fürchten. Ein Schrankbett mit Seitenschränken liegt montiert bei 1.500–4.000 €, bietet aber die beste Matratze und die meiste Fläche. Den Schreibtisch an die Wand gegenüber dem Bett und einen geschlossenen Schrank für die Unterlagen einplanen. Die Schreibtischseite behandelt Homeoffice einrichten.
Hobby- oder Abstellraum: Boxen mit Deckel in einem Regal hinter einem Vorhang machen aus Kram eine ruhige Wand. Vor dem Besuch den Boden komplett freiräumen – ein halber Abstellraum sagt dem Gast, dass er stört.
Tagesbett: ein 90er-Tagesbett mit Unterbett ist tagsüber Sofa und nachts Schlafplatz für zwei. Unter 8 m² die beste Lösung.
Kleinigkeiten, die fast nichts kosten
- Ein Korb mit gefaltetem Handtuchset, Ersatzzahnbürste und Reisegrößen.
- Eine Karaffe Wasser und ein Glas auf dem Nachttisch.
- Eine zusätzliche Decke am Fußende; Gäste fragen aus Höflichkeit nicht.
- Eine leere Schublade.
- Ein Steckdosen-Nachtlicht für den Weg ins Bad.
- Ein Mülleimer mit Beutel.
Zusammen 40–80 € – und für den Aufenthalt wichtiger als ein neues Kopfteil.
Was es kostet
Grobe Spannen für 2026, für ein Gästezimmer mit 9–11 m²:
| Stufe | Umfang | Budget |
|---|---|---|
| Schnelles Upgrade | Topper, Bettwäsche, Verdunkelung, Lampen, Haken, Kleinigkeiten | 250–600 € |
| Neu einrichten | Neue Matratze, Bettgestell, zwei Nachttische, Spiegel, Teppich, Farbe | 900–2.500 € |
| Doppelnutzung | Gutes Schlafsofa oder Tagesbett, Schreibtisch, Schrank, Licht | 1.200–3.500 € |
| Schrankbett | Schrankbett mit Seitenschränken, Montage | 1.500–4.000 € |
Reicht das Budget für eine Sache, dann für die Matratze. Reicht es für zwei, kommt die Verdunkelung dazu. Der Rest kann warten – wie man ihn in Etappen angeht, steht in Zimmer günstig verschönern.
Vor dem nächsten Besuch
- Eine Nacht im Zimmer schlafen und jedes Problem notieren.
- Zuerst das Bett, dann Dunkelheit, dann Licht und Steckdosen auf beiden Seiten.
- Platz für einen offenen Koffer schaffen und einen Teil des Schranks leeren.
- Spiegel, Haken und eine Karte mit den praktischen Infos ergänzen.
- Einen zweiten Bettwäschesatz und eine Extradecke im Zimmer lagern.
So eingerichtet ist das Gästezimmer nicht der teuerste Raum im Haus, aber der, an den sich Besuch erinnert – und falls ein Verkauf ansteht, wirkt es auf Fotos wie ein echtes Schlafzimmer, genau wie es die Home-Staging-Checkliste verlangt.